Mehr Unterstützung gefordert

Zeitungsartikel SZ vom 20.02.2021

Am vergangenen Donnerstag 19.2.2021 luden die Grünen zu einer offenen Kreisversammlung unter dem Titel: “Politik hört zu: So geht es den Geflüchteten im Landkreis Freising”. Seitens der Grünen waren unter anderem MdL Johannes Becher und MdB Beate Walter-Rosenheimer nebst zahlreichen Vertreter*innen der Kommunalpolitik dabei. Seitens der Helferkreise waren mindestens anwesend: Langenbach, Freising (Katharina Mayr Straße), Neufahrn, Kirchdorf und Zolling.

Nach kurzer Einführung in die Faktenlage berichteten Ingrid Hein-Schuster (Helferkreis Katharina Mayr Straße Freising) und Angelika Sagerer (Helferkreis Zolling) von der Situation in den Unterkünften vor Ort und der Lage in den Helferkreisen. Angesprochen und weiteren Verlauf diskutiert wurde unter anderem:

  • Bürokratische Zumutungen, z.B. Anträge und Formblätter, die man als Muttersprachler kaum versteht oder dass man alle drei Monate denselben Antrag mit den denselben Daten zur Verlängerung der Duldung abgeben muss.
  • Rückwirkend bis 2016 wird von der Regierung von Unterfranken Wohngeld eingefordert, was je nach Fall enorme Summen bedeuten kann. Kostenübernahme durch Jobcenter ist nach Antrag bei Fristeinhaltung oft möglich. Hier werden Gelder von einer staatlichen Einrichtung sehr aufwändig einer anderen übertragen. Geht das nicht einfacher?
  • Verbot der Arbeitsaufnahme verdammt arbeitswillige Menschen zu Untätigkeit und Perspektivlosigkeit. Auch wird so das informelle Deutschlernen zu weiteren Integration verunmöglicht.
  • Ebenso mangelt es an bezahlbaren Wohnraum außerhalb der Unterkünfte. Neben Arbeit ist das selbständige Wohnen wesentlich für die Integration. Nur so wird informell Sprache gelernt und die Gelegenheit gegeben, sich Verhalten von Kolleg*innen und Nachbarn abzuschauen.
  • Der Zugang zu WLAN ist in den verschiedenen Unterkünften sehr unterschiedlich und und im Regelfall abhängig vom Engagement der helfer und anderen Beteiligten vor Ort. Eine funktionierende Internetverbindung ist Voraussetzung für Teilnahme am Unterricht, Teilhabe am öffentlichen Leben und Aufrechterhaltung der persönlichen Beziehungen, nicht nur aber gerade auch in Coronazeiten.
  • Sukzessives Auflösen der Helferkreise: Auch Helfer*innen sind zunehmend frustriert. Sie sind angetreten, um eine akute Notlage lindern zu helfen. Helferkreise sind nicht als Dauerunterstützung angetreten. Seit 2015 hatte der Staat über 5 Jahre Zeit, seine Prozesse so zu organisieren. Dies ist nicht geschehen und es ist auch keine Besserung absehbar. Im Gegenteil: Die Mittel für Asylsozialberatung werden zunehmend gestrichen. Diakonie Freising kann seit Jahresbeginn das Äquivalent einer Vollzeitstelle weniger besetzen – rein aus finanziellen Gründen.

Folgende Verbesserungen schweben den Helferkreisen vor:

  • Verringerung des bürokratischen Aufwandes z.B. durch Digitalisierung von Behördenabläufen und Datenaustausches über Behördengrenzen hinweg.
  • Beschleunigte Schaffung von erschwinglichem Wohnraum.
  • Gestattung der Arbeitsaufnahme für alle unabhängig vom Aufenthaltsstatus.
  • Entwicklungshilfe anders denken. Mehr Möglichkeiten zu qualifizierter Ausbildung in Deutschland schaffen.
  • Würdigung des Ehrenamtes durch aktives Zuhören, sprich Einbeziehung auf Augenhöhe und Aufgreifen von Lösungsvorschlägen.
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